+++ Sechste Herren sind Hamburger Meister! +++

Bild von Simon

Die 6. Herren setzen sich am Gropiusring die Krone auf

Während nebenan das Finale des Heino Gerstenberg-Pokals dieses mal ohne die Beteiligung der Kiezkicker angepfiffen wurde, schwor sich die 6. Vertretung der Piraten auf dem Kunstrasen vor Hochhauskulisse gerade auf ihr Saisonfinale ein. Souverän hatte man die Tabelle in dieser Spielzeit von oben beherrscht, doch einen ersten Platz in ihrer Staffel konnten auch die Gegner der Viertvertretung der TuS Berne vorweisen. 22 siegesverwöhnte und selbstbewusse Fußballer würden sich also in den bevorstehenden 90 Minuten Paroli bieten. BITTE WEITERLESEN KLICKEN

Trainer Tim Wilhelm, der im Abschlusstraining am Dienstag mit allen 24 Akteuren seines Kaders letzte Vorbereitungen auf das Finalmatch getroffen hatte, schickte eine offensichtlich bis in die Haarspitzen motivierte Mannschaft auf den Platz. Während Außenverteidiger Micha den Vorzug vor Pauli-Urgestein Marco Ahlen bekommen hatte, wartete die Mannschaft ansonsten mit altbekannten und bereits endspielerprobten Akteuren auf: Toni im Tor - in der Viererkette Stefan , Jens , Mazlum und Micha - davor Kapitän Gorden zusammen mit Tobi auf der Doppelsechs. Der wieselflinke Paul beackerte die rechte Außenbahn, Olly wie gewohnt auf links. Vor Spielmacher David war Kai als Stoßstürmer gesetzt.

Anpfiff

Von Beginn an zeigten sich die Paulianer wach und in den Zweikämpfen einsatzfreudiger als der Gegner in Blau. Das aggressive Vorchecking der Boys in Brown machte dem Gegner ab der ersten Minute zu schaffen und führte zu schmerzlichen Ballverlusten in der eigenen Hälfte. Zunächst blieben die spektakulären Strafraumszenen jedoch auf beiden Seiten aus, der letzte Pass kam auch bei St. Pauli nicht an. Doch der große Teil der etwa 200, zumeist braun-weißen Zuschauer am Gropiusring spürte, wie sich die Schlinge des Pauli-Pressings enger um die Kehle der Berner Abwehr schnürte. Immer wieder zeigten die Kiezkicker ansehnlichen Kombinationsfussball, der vor allem die schnellen Außenspieler Olly und Paul gekonnt in Szene setzte. Vor dem defensiv überzeugenden Tobi konnte Gorden die Angriffe mit stoisch ruhiger Übersicht einleiten, David tauchte abwechselnd links und rechts für das Kurzpassspiel mit den Außen auf. Immer wieder konnte dies nur mit Fouls oder Eckbällen zugunsten von Braun-Weiß entschärft werden, es mehrten sich die Flankenbälle in den Strafraum der TuS. Einmal rette der Pfosten, ein anderes Mal verzog der Schütze des Abprallers am Sechzehner... die 6. drückte!

Das Führungstor kam dann dennoch unverhofft, wenn auch hoch verdient. Einen scharfen Pass aus der Mitte leitete Kai aus dem Halbfeld überraschend direkt mit der Hacke in den Raum vor dem Berner Strafraum weiter. Aus dem Nichts spritzte Olly in die Bresche zwischen den verblüfften Verteidigern und spitzelte den Ball aus vollem Lauf am herauseilenden Schlussmann vorbei in die Maschen! 1:0!!!

Die bessere Mannschaft war nach etwa zwanzig Spielminuten belohnt worden. Und wer sich die Körpersprache des Gegners nach dem Treffer näher besah, der war über das ausbleibende Aufbäumen der Berner Mannschaft im Anschluss wenig verwundert. Bis zur Halbzeit spielte weiter nur St. Pauli wirklich Fußball, immer wieder konnte sich der laufstarke Bongo mit Paul zusammen in die Offensive einschalten. Mit erdrückendem Ballbesitz, aber ohne weitere Tore ging es in die Pause.

Halbzeitstand 1:0

Im zweiten Durchgang zeigte sich zunächst die hässliche Fratze des Fußballs, es musste der rauchig-farbige Enthusiasmus "so genannter "Fans"" der Kiezkicker besänftigt werden. Unschöne Bilder, aber sie gehören wohl zum Amateursport...

Nun denn, St. Pauli spielte Fußball, TuS Berne betrieb Schadensbegrenzung. Nur allzu selten musste die gut organisierte Viererkette der Braun-Weißen eingreifen und dann waren Stefan und Mazlum kopfballstark und ohne Wackler zur Stelle. Nur in den seltensten Fällen sahen die Zuschauer Befreiungsschläge oder Fehler im Aufbauspiel der Sechsten Herren. Aber ach - das zweite Tor wollte nicht fallen. Ein schlechtes Omen für die letzte halbe Stunde?

Nur zum Teil. Zwar hatte der Gegner ab Minute 50 seine beste Phase, doch entschärfte Torhüter Toni in ein, zwei Szenen gekonnt die Angriffsbemühungen seiner Widersacher. Insgesamt sollte es für ihn dann doch ein ruhiger letzter Arbeitstag in dieser Saison werden. Denn hungrig war St. Pauli immer noch und zwang Berne bald wieder in die Defensive. Stürmer Kai war bislang glücklos geblieben, zu selten konnte er sich von seinen Bewachern lösen und zu seinen gefürchteten "flying hippo"-Tankläufen ansetzen. Doch war es die große Stärke des braun-weißen Angriffs, sich nicht immer auf die Taten seines Topscorers verlassen zu müssen. Nach Foul am dennoch nicht aufsteckenden Kai an der rechten Außenbahn war es wieder der heute überragende Olly, der sich mit voller Wucht in den Abpraller des folgenden Freistoßes warf und den Ball aus 16 Metern unhaltbar halbhoch ins rechte Toreck hämmerte. 2:0!!!

Der Drops schien gelutscht, zu klar war die Rollenverteilung an diesem Nachmittag in Steilshoop. Trainer Wilhelm verstärkte seine Elf mit den frischen Kräften von Marco und Lennart, welche die bis dahin stark aufspielenden Micha und Paul ablösten. Lennart, erst seit dieser Saison am Millerntor, bedankte sich für das Vertrauen des Trainers mit einem Liebesbeweis am Ergebnis - nach schnellem Spiel über drei Stationen bis in die Spitze wartete alles auf den erneuten Querpass in die Mitte, doch er entschied sich zum trockenen Abschluss unter die Querlatte. Auch gut. 3:0!!!

Abpfiff

Was bleibt noch zu erzählen? Die Sechsten Herren waren an diesem Nachmittag die bessere von zwei Mannschaften und glänzten durch starke Akteure in allen Mannschaftsteilen. Gorden, der in der letzten Viertelstunde seine größeren Freiräume genossen und nochmal richtig aufgedreht hatte, nahm nach 90 überlegenen Minuten den Holstenpokal der Hamburger Meisterschaft entgegen. Nachdem schon alle anderen Pokaltitel und Aufstiege in den letzten Jahren errungen worden waren, kann sich nun die Mannschaft von Titeltrainer Tim Wilhelm endlich auch Hamburger Meister der Unteren Herren schimpfen. Die SHOR (Sechste Herren Online Redaktion) zieht den Hut vor einer Mannschaft, die seit Jahren gemeinsam Spaß am Fußball hat und sich nun unter dem Jubel der zahlreichen Supporter in die verdiente dritte Halbzeit verabschieden durfte. Das war spitzenhammermäßig, Männer!

FORZA ST. PAULI