Pokalfinale gegen Condor

Bild von Simon

Herzschlagfinale an der Waidmannstraße

Nieselregen, Wind, Kälte. Bestes St. Pauli-Wetter also begleitete unsere 6. Herren am vergangenen Sonntag auf die Rasenanlage des SC Union an der Waidmannstraße, wo es das Pokalfinale der Heino Gerstenberg-Spiele gegen die Dauerrivalen der 3. Herren des SC Condor zu bestreiten galt. Zwei Jahre zuvor hatte man das silberne Buch des Untere Herren-Pokals zum ersten Mal in der Vereinsgeschichte für den FC St. Pauli gewinnen können, damals noch als Underdog gegen eine Mannschaft des SV Glashütte. Nun jedoch gingen unsere Jungs mit breiter Brust und im Jahr 2011 noch ungeschlagen in ein Spiel, welches mit Höhepunkten nicht geizen sollte. BITTE WEITERLESEN KLICKEN

Auf dem nassen, tiefen Rasen und bei einem mehr als großzügig angelegten Spielfeld würde es vor allem auf die Laufbereitschaft und die Physis der Akteure ankommen - notfalls auch länger als über die regulären neunzig Minuten. Von Beginn an zeigte sich, dass der schwierig zu bespielende Untergrund den Takt der Parte bestimmen würde. Die 6. Herren begannen wie immer mit einer flexiblen Viererkette, zwei spielstarken Sechsern und einer einzigen Spitze. Der Spielplan, dem Gegner durch frühen Druck und schnelles Flügelspiel zuzusetzen, trug in der 9. Spielminute erste Früchte: nach scharfer Hereingabe vom rechten Flügel verpassten die Boys in Brown nur ganz knapp die frühe Führung.

Die Mannschaft des SC Condor jedoch, welche dem FCSP noch vor einem Jahr das Aus in der ersten Pokalrunde beschert hatte, bäumte sich nach einer Viertelstunde erstmals auf und drängte den Gegner mit mehr gewonnenen Zweikämpfen und viel Biss zurück bis in die eigene Hälfte. Nach einem wilden Gestocher im Strafraum konnten die braun-weißen Verteidiger das Leder nicht konsequent klären, und ein nachgerückter kanariengelber Mittelfeldmann drosch den Abpraller aus etwa 16 Metern unhaltbar unter die Latte und hinein ins Herz der 6. Herren.

0:1

Doch die Sprechchöre der trotz des widrigen Wetters zahlreich angereisten FCSP-Fans verstummten nur kurz und peitschten die Elf von Trainer Michael Schirmer schon nach kurzer Zeit wieder nach vorne. Und wer die Mannschaft in den letzten Monaten beobachtet hatte, der konnte sich sicher sein, dass die Erfahrung und der Zusammenhalt der Truppe von so einem Törchen nicht erschüttert würden. Und wirklich! - die Schlussphase der ersten Halbzeit gehörte wieder den Boys in Brown, die den Condor-Keeper immer wieder mit Flachschüssen prüften und sich ein spielerisches Übergewicht erarbeiteten. Doch als der Pfiff zur Halbzeit ertönte, hatte man keine der vielen hochkarätigen Torchancen in etwas Zählbares ummünzen können...

Halbzeit

Durchschnaufen. Besinnen. Sich neu abstimmen. Rausgehen. Weghauen.

Mit neuem Schwung und dem Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten kamen die 6. Herren zurück aus der Kabine und auf den Rasen des Pokalschicksals. Verbissen verteidigte der SC Condor seine Führung wechselte frische Kräfte ein, um sich dem Torlauf der braun-weißen Offensivkräfte entgegen zu stemmen. Nach einem weiten Einwurf durch Olly "Böllerkopp" Wolff bis in den gegnerischen Strafraum ertönte dann ein Pfiff des überzeugenden Schiedsrichters - Elfmeter wegen Trikothaltens! Und die Chance zum lang ersehnten Ausgleich...

Doch Kapitän Maschwitz scheiterte am reaktionsschnellen Torhüter der Andenvögel, ein erneuter Tiefschlag in die Magengegend der Paulianer. Die gab sich aber nicht auf und ackerte aufopferungsvoll bei andauerndem Regenwetter. Auf der Gegenseite konnten die gelben Angreifer sich ebenfalls nicht entscheidend gegen die gut gestaffelte Abwehr um Torhüter Mathias Seibt durchsetzen, und dieser pflückte die daraus resultierenden hohen Bälle in die Spitze konsequent aus der Luft. Brannte doch einmal etwas in Bodennähe an, so war es ein ums andere Mal der an diesem Nachhmittag überragende Stephan Rüsch, welcher gefährliche Szenen entschärfte.

Doch was nützte all dies ohne das ersehnte Tor? Richtig, in etwa so viel wie eine Raute auf dem Trikot. Da fasste sich Olly Wolff erneut ein Herz stocherte (endlich!) nach einer heißen Torraumszene den Ball irgendwie in die Maschen des Condor-Vogelnests und löste auf den Rängen einen wilden Sturm der Begeisterung aus. AUSGLEICH! Als sich das Jubelknäuel endlich aufgelöst hatte, waren noch etwa 15 Minuten zu spielen.

1:1

Was folgte, war eine wütende fußballerische Antwort des SC Condor. Immer wieder konnte das Mittelfeld der 6. Herren zu schnell überbrückt werden, doch fehlten dem Gegner am Strafraum dann letztendlich die kreativen Mittel, um auch noch an den beinharten Verteidigern der St. Pauli-Viererkette vorbei zu kommen. Es war dies die Spielphase der höchsten Bedrängnis für unsere Jungs - doch der letzte Damm hielt. Dann der Schlusspfiff.

Verlängerung

Noch einmal 30 Minuten Spielzeit blieben nun den Mannschaften, um dieses letzte Spiel der Saison 2010/2011 noch für sich zu entscheiden und ihren Namen im Buch der Bücher eingravieren zu dürfen. Und es war in diesem Moment, am Rande der Niederlage, dass sich die hervorragende Trainingsarbeit von Spielern und Trainerstab in den letzten Wochen und Monaten bezahlt machte. Denn St. Pauli schien die dritte Luft mobilisieren zu können, während Condor das hohe Tempo der Verlängerung nicht mitgehen konnte. Auch standen noch frische Kräfte zur Verfügung, und so kämpfte sich der FCSP zurück ins Match, gewann die Überhand auf den Außenbahnen und erzwang so die folgende Szene:

Der Ball war nach einem der sich nun häufenden Fehlpässe der Condoren im Mittelfeld erobert und auf den wieselflinken Jasper-Wu Laudenbach in der Kreativzentrale gespielt worden. Auf dem rechten Flügel, knapp 25 Meter vor dem gegnerischen Tor, sah der Spielmacher der 6. Herren plötzlich den bislang fehlerlosen Torhüter herauseilen. Geistesgegenwärtig chipte Laudenbach den Ball in hohem Bogen in Richtung des langen Torecks - endlos lang schien der Ball in der Luft - und schlug unter den ungläubigen Blicken von Spielern und Zuschauern direkt neben dem Pfosten im Netz ein. Traumtor. Führung. Titel?

2:1

Condor gab sich noch nicht auf, doch öffnete der Gegner etwa 17 Minuten vor dem Ende der Verlängerung seine Formation und versuchte mit letzter Verzweiflung nun selbst den Ausgleich zu erzielen. Darauf aber hatten die nach wie vor lauffreudigen Piraten aber anscheinend nur gelauert! Mit nach fast zwei Stunden Spielzeit geradezu unglaublichen Kraftreserven donnerte nun ein Konter nach dem anderen auf die Condoren ein. Und Olly Wolff landete seinen zweiten Streich! Und kurz darauf klingelte es erneut, diesmal war es der bald-Münchener Doninikus Matzner, der einen Gruß im Gehäuse des Gegners hinterließ. Ein Doppelschlag gegen Ende, welcher die Titelträume der gelben Elf endgültig begrub.

4:1

Dann der Abpfiff.

Nachwort

Zunächst an dieser Stelle ein großes Dankeschön an die Schiedsrichter, aber vor allem an einen harten, aber immer fairen und anständigen Gegner. Der SC Condor hat den 6. Herren in den vergangenen Jahren feurige und wendungsreiche Spiele geliefert, und der größte Gewinner war dabei der Sportsgeist des Hamburger Amateurfußballs. Der schien dann auch bei der Siegerehrung durch, wo beide Mannschaften sich ehrlich gratulierten. Die SHOR (Sechste Herren Online Redaktion) möchte den Lesern die Details der anschließenden Siegesfeier ersparen, doch der großzügige Zuschuss sowohl von Seiten des Verbands als auch von der FC St. Pauli Fußballabteilung wurde bestens angelegt.

Wir gratulieren den 6. Herren St. Pauli zum zweiten Pokalsieg in drei Jahren und einer tollen Leistung in der gesamten abgelaufenen Saison!

Ende und Beginn einer Ära

Mit dem Titelgewinn am vergangenen Sonntag verabschiedet sich Trainer Michael Schirmer nach drei sehr erfolgreichen Jahren in Richtung Grün-Weiß Eimsbüttel. Begleitet wird er von seinem Co-Trainer Simon Hagmann, beide verabschiedeten sich mit kurzen, aber emotionalen Reden von ihren Kameraden und Freunden der 6. Herren. Mit dem Weggang der Trainer aber bietet sich nach Jahren einer kontinuierlichen fußballerischen und mannschaftlichen Entwicklung nun auch die Chance einer Neuorientierung. Neue Gesichter werden Verantwortung tragen, aber das Gesicht der Mannschaft soll das alte bleiben. Und das ist gut so. In diesem Sinne -

FORZA ST. PAULI