Pokalspiel gegen Wellingsbüttel

Bild von Simon

St. Pauli fährt nach Berlin

"Volle Konzentration auf unser eigenes Spiel!" - diese eindringliche Mahnung hatte das Pauli-Trainergespann vor dem Anpfiff mehrfach an die eigene Truppe gerichtet, war doch das Aufsehen um den Weg des gestrigen Gegners bis zu diesem Match von allerlei Aufregern begleitet gewesen. Es spricht für die Disziplin der Mannschaft, dass dann auch von der ersten Minute an Fußball gespielt wurde, und wie!

Am Spielfeldrand hatten sich die angekündigten Massen eingefunden, darunter auch viele Supporter der 4. Herren, welche sich für die Präsenz der nun auf dem Rasen befindlichen Akteure kurz zuvor bei dem Spiel um die Hamburger Meisterschaft revanchierten. An dieser Stelle schon einmal Danke für den großartigen Support. Die Kulisse war also bereitet für einen Pokal-Fight der Extraklasse. BITTE WEITERLESEN KLICKEN

Der Gegner: die "dritte" Mannschaft des TSC Wellingsbüttel. Warum die Anführungszeichen? Lesen Sie mehr im Sonder-Bulletin von "Abgeschmatzt", dem Stadionheft der SHOR (Sechste Herren Online Redaktion). In grünen Trikots aufspielend, aber wohl weniger grün hinter den Ohren, wollten die Gäste an der Feldstraße den Einzug ins Finale des Heino Gerstenberg-Pokals klar machen. Ihnen im Weg stand eine im Jahr 2011 bislang ungeschlagene St. Pauli-Mannschaft mit Kapitän Gorden Maschwitz an der Spitze.

Taktisch hatte Trainer Schirmer seine Elf zuvor auf einen tief stehenden Gegner vorbereitet, doch hatten die 6. Herren in den vergangenen Partien unter Beweis gestellt, dass sie mit einer Vielzahl von Spielsituationen umgehen können. Von Beginn an legten die Boys in Brown eine erstaunliche hohe Schlagzahl an den Tag und gewannen in der Anfangsviertelstunde gefühlte 90 Prozent der Zweikämpfe. Ohne bis dahin wirklich gefährlich vor das Tor der Gäste gelangt zu sein, erarbeiteten sich die Gastgeber ein Übergewicht in allen Belangen.

In der Hintermannschaft fing man die Angriffsbemühungen der Wellingsbüttler, welche meist über die starke linke Seite vorgetragen wurden, mit Konzentration und der nötigen Härte ab. Auch funktionierten die beiden Sechser David und Gorden diesmal besser in der Anbindung an den wieder genesenen Spielmacher Jasper, welcher mit dem sehr aktiven Kai im Sturm ordentlich für Unruhe sorgte. Doch dauerte es bis zur 36. Minute, dass ein erstes Ausrufezeichen in der Offensive gesetzt werden konnte: Nach schneller Spieleröffnung durch die agile Mitte der 6. Herren konnte der frei gespielte Kai zwei Verteidiger stehen lassen und scheiterte aus kurzer Distanz nur knapp am heraus stürmenden Keeper.

Kurz darauf kam's noch dicker! Nach gefühlvoller Flanken-Vorlage köpfte der im linken Mittelfeld großartig rackernde Dominik nur gegen die Latte des Wellingsbüttler Gehäuses... Ein Raunen, dann laute Anfeuerungsrufe von den Rängen! Gänsehaut im Pokal!

Halbzeit

Eine Führung wäre nach gespielten 45 Minuten aufgrund des hohen St. Pauli-Tempos und der Überlegenheit in Spieleröffnung und Chancenbilanz durchaus verdient gewesen. Doch hatte Wellingsbüttel es bis dahin auch immer wieder verstanden, mit Zweikampfstärke und Laufbereitschaft der sich immer enger schnürenden Schlinge der braun-weißen Mannschaft zu entwinden und kleine Entlastungsaktionen auszuführen.

Durchgang zwei versprach die Entscheidung, und mit ernsten Mienen und unter der zwar manchmal etwas pingeligen, aber dennoch sehr überzeugenden Leistung des Schiedsrichters ging man wieder zu Werke. Wer sich jedoch weitere aufregende Torraumszenen erhofft hatte, der wurde zunächst enttäuscht. Denn Wellingsbüttel hatte sich nun besser sortiert und die spielstarke Nummer 6 ins zentrale Mittelfeld verschoben, wo nun das Spiel der Gastgeber effektiver sabotiert werden konnte.

So entwickelte sich eine zwar kämpferisch und fußballerisch anspruchsvolle, jedoch weniger flüssige zweite Hälfte, welche den Akteuren konditionell alles abverlangte. Es folgten gelbe Karten, u.a. für Jasper und Gorden, doch die Partie blieb stets im Rahmen der erlaubten und gewünschten Pokalhärte - auf beiden Seiten. So dauerte es wieder eine knappe halbe Stunde, bis es zum Haareraufen an den Seitenlinien kam ...

Nach einer kleinen Unachtsamkeit seiner Verteidiger tauchte plötzlich ein grüner Angreifer vor Toni "seine dritte Hand ist das Gesicht" Seibt auf, welcher aus kurzer Distanz die Führung für Wellingsbüttel großartig verhinderte. Bis dahin war er kaum geprüft worden, stellte in dieser Szene jedoch zum wiederholten Mal seinen Anteil am andauernden Erfolg der braun-weißen Defensive unter Beweis. Es sollte die einzige wirklich hochkarätige Torgelegenheit der Gäste bleiben...

Denn im Gegenzug schaffte es St. Pauli nach einem Doppelwechsel (Paul-Jasper, Alex-Dominik) wieder frischen Offensivdruck aufzubauen. Wiederholt hatte der unglaublich lauf- und ackerfreudige Olly zuvor seine Bewacher abgeschüttelt, nun war es der bis dahin etwas untergetauchte Kai Simons, der seinen großen Auftritt hatte. In unverkennbarer "Brust-raus, Wampe-rein"-Manier tankte sich Paulis Angreifer durch gefühlte achtzehn Verteidiger...der Ball schien schon vertändelt...das dritte Kniegelenk musste rausgeholt werden...der Torhüter ist unten...die Pille durchquert seine Beine...stolper...schrei...TOR!

1:0

Befreiender Jubel, Umarmungen - dann wieder hoch konzentrierte Gesichter. Mit Last Minute-Führungen hatten die Sechsten Herren zum Glück in einigen der zurückliegenden Liga-Begegnungen ihre Erfahrungen sammeln können, man schwor sich auf die restlichen vier bis fünf Minuten Spielzeit ein. Wie nicht anders zu erwarten, warfen die Wellingsbüttler nun alle grünen Mäuse und Männer in die Hälfte des Gegners, um doch noch den rettenden Ausgleich zu erzielen. Der mittlerweile Halsschmerz-gefährdeten Pauli-Anhängerschaft an der Seitenlinie blieben auch die obligatorisch haarigen Schlussphasenstandards für die Gäste nicht erspart, doch auch in diesen letzten Drucksituationen verloren die überragenden Verteidiger Willi, Marco, Mazlum und Bongo nicht die Nerven...

SCHLUSSPFIFF - FINALE!

Zum zweiten Mal in drei Spielzeiten haben die 6. Herren nun den Einzug ins Finale des Pokalwettbewerbs geschafft. Diese Leistung erkannte auch der Gegner nach dem Abpfiff an und klatschte fair ab - ebenso wie die ebenfalls im Publikum befindlichen Condor-Agenten einen würdigen Finalgegner gesehen hatten und gratulierten.

Fazit

Was St. Pauli in der ersten Halbzeit fußballerisch zu bieten hatte, gehört zum Besten, was die SHOR in den vergangenen Spielzeiten beobachten durfte. Bombenstarke Leistungen u. a. von Bongo und Mazlum zeigen zudem, wie gut sich "neue" Spieler mittlerweile ins Mannschaftsgefüge integriert haben und im Zusammenspiel mit dem restlichen, gut aufgestellten Kader eine Einheit bilden. Die SHOR freut sich auf einen krönenden, packenden Saison-Abschluss gegen den SC Condor... schließlich muss ja das Federbett für die kommende kalte Jahreszeit noch neu gestopft werden ;)

FORZA